Review: Unity 4 Game Development Hotshot

Jate Wittayabundit, ein thailändischer Spieleentwickler mit Sitz in Toronto, vermittelt anhand ausgewählter Tutorials, wie fortgeschrittene Entwickler mit der neuesten Version von Unity spieletypische Elemente programmieren können.

Jate Wittayabundit: Unity 4 Game Development Hotshot; Packt Publishing, ISBN13 9781849695589, € 22.44

Unity 4 Game Development Hotshot

Inhalt:
In 8 Kapiteln befasst sich der Autor mit folgenden Themen:

  • Erstellen eines einfachen 2D-Plattformers. U.a. wird die Verwendung des neuen Sprite-Objekts sowie einer überarbeiteten Physics Engine auf der Basis des bekannten Box2D-Frameworks demonstriert.
  • Erstellen eines RPG-Menüs mit Hilfe des neuen GUI-Systems IMGUI, auf das viele Entwickler solange gehofft haben (unglaublich, wie lange es in einer so populären Engine gedauert hat, bis ein akzeptables Menü-System integriert wurde).
  • Shader für eine Spielefigur.
  • Animation eines Spielecharakters mit Mecanim.
  • Programmieren eines Raketenwerfers (incl. einer speziellen Kamera).
  • Verwendung eines Navigation-Meshes auf der Basis des Waypoint-Systems, um eine grundlegende KI zu programmieren.
  • Programmierung zerstörbarer Objekte.
  • Highscores speichern und laden.

Das Buch stellt eine überarbeitete und teilweise ergänzte Neuauflage eines Buches für die Vorgängerversion von Unity dar. Es behandelt kein zusammenhängendes großes Projekt, sondern widmet sich einzelnen kleineren Projekten zu verschiedenen Themen, was sowohl dem Autor wie auch dem Leser mehr Flexibilität bietet. Allerdings eignet sich ein derartiges Buch schon vom Ansatz her nicht für Einsteiger, sondern setzt entsprechende Kenntnisse voraus, so daß man sich diejenigen Themen sinnvoll herauspicken kann, die momentan am interessantesten sind. Um die Tutorials nachvollziehen zu können, benötigt man in den meisten Fällen Unity 4.6, also die Beta der neuesten Unity-Version.

Unity-typisch wird in vielen Kapiteln intensiv programmiert. Die vorgestellten Codebeispiele liegen sowohl in JavaScript wie in C# vor. Diese Zweisprachigkeit erweist sich prinzipiell als gute Idee, da einerseits C# die eindeutig mächtigere Sprache ist (und sie das Programmieren im Vergleich zu JavaScript etwa bei der Kommunkikation der Scripte miteinander deutlich erleichtert), andererseits aber viele Entwickler aus der Ecke der Webentwickler kommen und daher mit JavaScript, nicht jedoch mit C# vertraut sind. Der einzige Nachteil ist natürlich die Codedopplung und damit einhergehend die Platzverschwendung – bei Konzentration auf eine Sprache hätte man sich intensiver mit Details befassen und das eine oder andere Kapitel umfangreicher gestalten können. Eine ideale Lösung gibt es hier nicht und so ist die Wahl des Autors für zwei Sprachversionen prinzipiell angemessen.

Kritik:
Der klare didaktische Ansatz der Hotshot-Reihe zählt zu ihren besonderen Stärken, macht sie doch dadurch die Bücher zu einem idealen Medium für jeden, der sich auf eigene Faust neue Fähigkeiten aneignen möchte. Da die einzelnen Kapitel i.d.R. jeweils in sich abgeschlossene Lernschritte umfassen, eignet sich die Reihe zudem gut für Dozenten, die auf dieser Basis eigene Übungen entwickeln wollen. Der einzige Wermutstropfen stellt die Nummerierung der Arbeitsschritte dar: wohl um die Gesamtzahl halbwegs klein zu halten, besteht ein einzelner nummerierter Schritt (allzu-) oft aus gleich mehreren Einzelschritten, was es mitunter erschwert, sie klar voneinander zu trennen. Der ungeduldige Schnellleser (ha – ich wollte unbedingt ein Wort mit drei gleichlautenden Konsonanten hintereinander unterbringen!) wird so allzuleicht den einen oder anderen Schritt überlesen. Didaktisch angemessener wäre eine kleinschrittigere Nummerierung, die auch die tatsächliche Anzahl der Arbeitsschritte wiedergibt. Damit könnte man zudem von vorneherein besser die Gesamtdauer der jeweiligen Übungen besser einschätzen, ein nicht unwesentlicher Faktor für Dozenten, die mit dieser Reihe ihren Unterricht vorbereiten wollen. Und last not least würde sich auch der Verlag selbst damit einen Gefallen tun, vereinfachte sich doch so das Korrekturlesen, soweit es sich auf die Korrektheit der Anleitungen bezieht.

Durchaus ein Streitpunkt ist die Version von Unity, mit dem das Buch arbeitet. Der Autor hat sich für Version 4.6 entschieden, also die brandneueste Ausgabe der Engine. Das hat den unbestreitbaren Vorteil, daß Features vorgestellt werden können, nach denen sich Entwickler mit älteren Versionen nur die Finger lecken wie etwa die erweiterten 2D-Features, eine überabeitete Box2D Physics Engine und das neue GUI-System. Packtpub ist damit der Konkurrenz auf dem Buchmarkt einen Schritt voraus.

Da es sich jedoch um eine Beta handelt und mittlerweile Build 21 (Stand 26.10.14) angeboten wird, wobei jede Beta gegenüber der vorhergehenden notwendigerweise Änderungen enthält, besteht das Risiko, sich Techniken anzueignen, die in der finalen Version – so sie denn mal erscheint – obsolet geworden sind oder erheblichen Veränderungen unterworfen wurden. Das ist eine hübsche Umschreibung für “eventuell falsch und überflüssig”. Nicht umsonst empfehlen die Entwickler von unity: “Although Unity 4.6 is a near-complete solution, we recommend that you use it for testing only, and not for content you plan to ship soon.” Das ist der einzige wirkliche Einwand, den man gegen das Buch vorbringen könnte.

Etwas deplaziert wirken die Anhänge mit u.a. grundlegenden Funktionen wie Awake(), Start() etc. – wer das Buch mit Gewinn durcharbeiten möchte, muß ohnehin wissen, wozu diese Funktionen gut sind, und wer das nicht weiß, der wird das Buch auch nicht sinnvoll lesen können. Da die Anhänge zudem der offiziellen Dokumentation bzw. Beiträgen im offiziellen Forum entnommen sind, hätte es genügt, im Fall der Fälle darauf zu verweisen anstatt sie in das Buch aufzunehmen.

Fazit:
Davon abgesehen kann man das Buch jedem empfehlen, der schon über solide Grundkenntnisse mit Unity (incl. Programmierung!) verfügt und über das übliche “Wir machen ein Spiel in Unity”, bestehend aus zwei Klötzchen, die irgendwie auf irgendetwas schiessen können, deutlich hinausgeht. Und wenn man schon mal bei packtpub vorbei schaut, schadet es nicht, sich auch die übrigen Unity-Titel anzusehen. Packtpub ist der einzige Verlag, der eine große Auswahl an Themen zu dieser Engine abdeckt, und das in einer qualitativ zumeist überzeugenden Weise.

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